Gründung der Gemeinschaft

Als der Priester  Dr. Paul Josef Nardini im Mai 1851 die Diaspora-Pfarrei Pirmasens in der Pfalz übernahm, herrschten in der Stadt, besonders unter den Katholiken, wirtschaftliche Not und Verarmung, die sich vor allem in einer sittlichen „Verwilderung“ bemerkbar machten.
 
Nardini suchte nach Mitteln und Wegen, diese Not an der Wurzel zu bekämpfen.
 
Überzeugt davon, dass das „tief gesunkene arme Volk wieder getröstet, geistig erhoben, sittlich ermuntert“ und den „Armen das Evangelium gepredigt“ werden müsse, „nicht bloß im Wort, sondern in der Kraft eines in Liebe tätigen und aus der Liebe sich hinopfernden Glaubens“ (so schrieb er im „Christlichen Pilger“ Nr. 7 vom 13.02.1852), setzte er sich tatkräftig ein für die Errichtung einer Niederlassung von Niederbronner Schwestern. Diese waren erst 1849 im Elsaß gegründet worden.
 
Im Juni 1853 übernahmen sie die Armen- und Krankenpflege in Pirmasens. Doch zeigte sich schon bald, dass ihr Wirken gefährdet war, da ihr Mutterhaus im französischen Elsaß lag und sie als Ausländerinnen galten. Am 15. Dezember 1854 wurden sie des Landes verwiesen.


Gründung der Gemeinschaft

Pirmasens Löwenbrunnenstraße, Wohnung der ersten Schwestern

 

So suchte Nardini eine andere Lösung. Als er Weihnachten 1854 an der Krippe kniete und um Kraft und Einsicht betete, wurde ihm klar, dass er eine unabhängige Schwesterngemeinschaft brauchte.
 
Zwar wurde der Ausweisungsbefehl am 29. Januar 1855 wieder zurückgenommen, doch Nardini ließ die Schwestern am 2. März 1855 nach Niederbronn zurückkehren, weil ihm die politische Situation zu unsicher erschien.

Am gleichen Tag übertrug er die Armen- und Krankenpflege in Pirmasens zwei Mitgliedern des Franziskanischen Dritten Ordens, Barbara Schwarz und Juliane Michel, gab ihnen eine Art Ordenskleid und klösterliche Namen: Schwester Agatha und Schwester Aloysia. Damit war die neue Ordensgemeinschaft ins Leben gerufen.
 
Er nannte sie „Arme Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“.