Liest man in der Klosterchronik über das Jahr 1904, so wird rasch ersichtlich, dass es für die Gemeinschaft erforderlich wurde, ein Krankenhaus zu errichten, um einerseits dem zunehmenden Pflegebedarf gerecht zu werden, der durch die wachsende Zahl der Schwestern entstand. Zum anderen gab es in der bisherigen Pflegeeinrichtung keine Möglichkeit für notwendige Operationen. Des Weiteren fehlte, wie es in der Chronik zu lesen ist, „jegliche Einrichtung zur allseitigen Heranbildung der künftigen Krankenschwestern“. Zudem plante man mit dem Krankenhausbau auch die Errichtung eines Erholungs- und Altenheim für die Schwestern zu verbinden.
Das alles lässt erahnen, dass dieses Bauvorhaben, insbesondere im Hinblick auf die Höhe der Kosten, ein großes Wagnis darstellte und sehr viel Mut in der Entscheidung erforderte. Trotz bestehender Unwägbarkeiten wurde der Bau beschlossen und 1904 der Grundstein gelegt. Bald schon zeigte sich, dass die Bodenverhältnisse wider Erwarten außerordentlich ungünstig waren, so dass die Fundamentierung bereits erhebliche Mehrkosten verursachte. Erforderliche Ergänzungen, Änderungen und Erweiterungen trieben die Kosten zudem in die Höhe. Trotz aller Ängste und Sorgen um die Finanzierung und weiterer widriger Umstände konnte der Bau 1906 fertig-gestellt und am 3. Oktober desselben Jahres eingeweiht werden.
Vier Jahre später,1910, konnte mit der langersehnten Ausbildung in der Kranken-pflege begonnen werden. Es war die erste Krankenpflegeschule bayernweit.
Im Jahr der Einweihung des Neubaus war gleichzeitig das 50-jährige Gedenken der Verkündigung des Dogmas von der „Unbefleckten Empfängnis“. So stellte man die im Gebäude befindliche Kirche unter den Schutz der „Unbefleckten Empfängnis“ und infolgedessen erhielt das gesamte Sanatorium den Namen „St. Maria“.
Grundsätzlich standen Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit im Vordergrund. Dennoch fand auch das Künstlerische Eingang in das Bauvorhaben. Der Bau zum Wohl der Schwestern erwies sich als großzügig angelegt und bemerkenswert ausgestattet. In den zurückliegenden 120 Jahren kamen zum Hauptgebäude St. Maria noch weitere Gebäude dazu: östlich die Häuser St. Josef (1932) und St. Klara (1976) und westlich St. Elisabeth (1961) und St. Anna (1988)
120 Jahre St. Maria, das sind:
- 120 Jahre im Dienst an den kranken und alten Mitschwestern
- 120 Jahre selbstlosen Daseins für die Hilfebedürftigen
- 120 Jahre Sorge um das Wohl der Mitschwestern
- 120 Jahre im Dienst der Menschlichkeit
- 120 Jahre wechselvolle Geschichte
- 120 Jahre würdig, sie in einem Jubiläum zu feiern.
Mit einem Dankgottesdienst, einem kleinen Festprogramm und einer überaus gut gelungenen Ausstel-lung zum Werdegang des Hauses wurde das Jubiläum begangen. Am 14. Oktober versammelten sich die Schwestern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter auch viele ehemalige, um in einem feierlichen Gottesdienst, der vom Schwesternchor des Mutterhauses musikalisch gestaltet wurde, Gott Dank zu sagen für seine Treue und Fürsorge, für seine Führung durch Höhen und Tiefen in den vergangenen 120 Jahren. Den Dankgottesdienst feierte H. Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner in Konzelebration mit P. Aloy-sius OSB, Spiritual des Klosters, und H. Kurat Paul Gebendorfer.
Zu Beginn des Gottesdienstes richtete Generaloberin Sr. M. Jakobe Schmid ein Grußwort an alle Gäste. Neben einem kurzen Rückblick auf die Ent-stehung des Hauses war es ihr ein besonderes Anliegen ihren persönlichen Dank auszudrücken. „Vergelt’s Gott allen Mitschwestern, die in den 120 Jahren Verantwortung getragen haben und noch tragen, den Priestern und Seelsorgern, den Mitarbeitenden, die sich für die kranken, alten und hilfebedürftigen Schwestern eingesetzt haben und dies noch immer tun, sei es der Dienst als Arzt, in der Pflege, im Funktionsbereich, in der Apo-theke, dem hauswirtschaftlichen Bereich oder als Hausmeister“, so Sr. M. Jakobe. Ihr Dank galt allem kompetenten Sorgen, aller Verlässlichkeit, allem Mitfühlen und Mitdenken, jeder Art umsichtiger Unterstützung und Hilfe. „In besonderer Weise gilt es aber Gott Dank zu sagen, der bis zum heutigen Tag spürbar durch gute und schlechte Zeiten führte“, so Sr. M. Jakobe weiter. „Ihn wollen wir im Gottesdienst danken und vertrauensvoll bitten, dass er uns auch zukünftig leiten und begleiten möge.“
Die Gestaltung des Hochaltars war Grundlage für die Predigt von H. Prälat Gegenfurtner. Anhand der dargestellten Figuren und ihrer Lebensge-schichte zeigte er auf, dass sie alle Bezug haben zur Bestimmung des Hauses, sich um die Kranken und Bedürftigen zu sorgen. Mit Gaben, die zum Altar gebracht wurden, unterstrich man die Anliegen der Fürbitten. Mit einem Blumenstrauß wurde der Dank für 120 Jahre ausgedrückt. Ein Kreuz stand symbolisch für Gebrechen und Krankheit, eine Stola zum Gedenken an all die Priester, die im Haus gewirkt hatten, ein Dienstplan als Anerkennung der wertvollen Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Im Anschluss an den Gottesdienst war der Nardinisaal Treffpunkt für das gemeinsame einfache Mittagessen. Bei Gulaschsuppe und Klosterbrot entstanden angeregte Unterhaltungen, bei denen auch viele Erinnerungen hervorgeholt und ausgetauscht wurden. Nach dem Essen erfreuten die Schwestern mit einem kleinen Festprogramm. Die Gäste spendeten reichlich Beifall für das Gebotene und beteiligten sich aktiv bei den Sitztänzen. Interessiert folgten sie dem Interview mit der ersten weltlichen Mitarbeiterin, die dabei eine Blick hinter die Kulissen gewährte und ein wenig aus dem Nähkästchen plauderte. Des Weiteren war genügend Zeit, um die sehr sehenswerte, umfangreiche und gut gelungene Ausstellung zur Geschichte des Hauses auf sich wirken zu lassen. Mit einer feierlichen Vesper nach Kaffee und Kuchen wurde die Jubiläumsfeier am späten Nachmittag beschlossen.